27. Juli 2026

Kölner Rechtsmedizin bestattet Organe in historischem Mönchsgrab

Auf dem Kölner Friedhof Melaten gibt es seit über 15 Jahren eine besondere letzte Ruhestätte: das historische Grab des Kartäusermönchs Joseph Becker (bestattet 1812), das heute auch obduzierte Organe wie Herzen und Gehirne aufnimmt.

Hintergrund ist die Arbeit der Rechtsmedizin der Uni Köln. Bei unklarer Todesursache ordnet die Staatsanwaltschaft Obduktionen an, bei denen Institutsleiter Prof. Markus Rothschild und sein Team kleine Organproben entnehmen und einige Jahre aufbewahren – für den Fall, dass später neue Untersuchungen nötig werden, etwa bei Vorwürfen gegen behandelnde Ärzte. Danach werden diese Proben freigegeben.

Früher landeten solche Organreste dann einfach im medizinischen Müll und wurden verbrannt – ein Zustand, den Rothschild als unwürdig empfand, gerade weil Herz und Gehirn in vielen Kulturen und Weltanschauungen als Sitz von Individuum und Seele gelten.

Über Josef F. Terfrüchte, den früheren Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner, fand Rothschild eine würdigere Lösung: Die gesammelten Organe werden inzwischen jährlich zusammengelegt, im Krematorium eingeäschert und die Asche in Beckers historischem Grab beigesetzt. Die Friedhofsgärtner-Genossenschaft trägt die Patenschaft für das denkmalgeschützte Grab und verlangt dafür keine Gebühr; das Bestattungsunternehmen Hoffmann übernimmt Transport und Einäscherung kostenlos.

Eine kleine Hinweistafel am Grab weist mittlerweile darauf hin, dass dort auch die Asche von Körperteilen ruht, die aus wissenschaftlichen und rechtlichen Gründen am Institut für Rechtsmedizin untersucht wurden.

Quelle:
Ein Grab für Leichenteile – So verfährt die Kölner Rechtsmedizin mit Herzen und Gehirnen
Von Susanne Esch, Kölner Stadt-Anzeiger
Vollständigen Artikel lesen

PDF

anzeigen