7. Oktober 2026

Für starke Friedhöfe in Köln – 6 Konsensfelder mit konkreten Handlungsvorschlägen

Worum es geht

Vor der Kommunalwahl 2025 hat die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner den Kölner Parteien und OB-Kandidatinnen und -Kandidaten sechs Wahlprüfsteine zur Zukunft der städtischen Friedhöfe vorgelegt. Sieben Parteien bzw. Kandidierende haben geantwortet.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Über die zentralen Herausforderungen der Kölner Friedhöfe besteht ein breiter politischer Konsens – über Parteigrenzen hinweg. Unser  Papier „Für starke Friedhöfe in Köln“ bündelt die Schnittmengen in sechs Konsensfeldern und leitet daraus konkrete Handlungsoptionen ab, die der neue Rat kurz-, mittel- und langfristig umsetzen kann.

Die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner versteht sich als Partnerin der Stadt. Wir vertreten nicht nur unsere Mitgliedsbetriebe, sondern berücksichtigen – dank der über Jahrzehnte gewachsenen guten Zusammenarbeit – die Fachkompetenz aller auf dem Friedhof tätigen Berufsgruppen: Friedhofsgärtnerinnen und -gärtner, Steinmetze, Bestattungsbetriebe, Trauerrednerinnen und -redner. Die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner ist Urheberin dieses Positionspapiers. Die genannten Berufsgruppen tragen die Positionen mit. Das Papier ist ein Gesprächsangebot an die Politik – und eine Arbeitsgrundlage für die Verwaltung.

Die folgenden Handlungsoptionen sind nach ihrer Umsetzbarkeit farblich gekennzeichnet:

Kurzfristig

Mittelfristig

Langfristig

 

Auf einen Blick

Drei Prioritäten für das erste Jahr der Ratsperiode

  • Beitritt Kölns zur Charta Friedhofskultur – kostenneutral, kein bürokratischer Aufwand, politisch hochwirksam. Korrektur des Ratsbeschlusses von 2023.
  • Friedhöfe als klimarelevante Grünflächen im städtischen Klimaplan ausweisen – das Konsensfeld mit der breitesten Unterstützung über alle Parteien hinweg
  • Einführung von Urnengemeinschaftsgräbern (UGG) – senkt die Kostenbelastung für Bürgerinnen und Bürger, ohne den städtischen Haushalt zu belasten

Sieben weitere Maßnahmen, kurz-, mittel- und langfristig

  • Trinkwasserbrunnen, zusätzliche Sitzgelegenheiten und Kurzstrecken-Mobilität auf den Großfriedhöfen einrichten (kurzfristig)
  • Neuauflage der Öffentlichkeitsbeteiligung „Kulturraum Kölner Friedhöfe“ anstoßen (kurzfristig)
  • Neue Grabangebote schaffen: zusätzliche Baumbestattungsplätze, multikulturelle Grabfelder (kurzfristig)
  • Pförtnerdienste verlässlich besetzen, Zufahrtsregelung über Schrankensysteme (mittelfristig)
  • Pflege ungenutzter Reserveflächen aus dem Gebührenhaushalt herauslösen und dem Grünflächenetat zuordnen (mittelfristig)
  • Zuständigkeit für Trauerhallen und Toiletten von der Gebäudewirtschaft direkt auf die Friedhofsverwaltung übertragen (langfristig)
  • Friedhöfe als Teil der Daseinsvorsorge anerkennen, vergleichbar mit der Kulturförderung (langfristig)

Konsensfeld 1: Friedhofsgebühren stabil halten, Kalkulation modernisieren und transparent machen

Die Friedhofsgebühren in Köln gehören im Großstadtvergleich zu den höchsten in Deutschland. Es ist aus kulturellen Gründen ein vernünftiges politisches Ziel, dass sich Menschen nach wie vor auf Kölner Friedhöfen bestatten lassen. Das muss allen Menschen, die das möchten, möglich sein – zu hohe Kosten dürfen sie nicht davon abhalten.

Immer mehr Menschen suchen alternative Bestattungsformen außerhalb Kölns. Traditionelle und innovative Bestattungsformen auf den Kölner Friedhöfen werden nicht nur, aber vor allem aus Kostengründen weniger stark nachgefragt. Die Gebühren müssen daher gerecht gestaltet sein – zum Beispiel mit Sozialtarifen für Einkommensschwache – und transparent kommuniziert werden.

Politischer Konsens: KSG, FDP und Die Linke unterstützen die Umschichtung der Reserveflächen in den Grünflächenetat ausdrücklich. Alle Parteien sprechen sich für sozial gerechte Gebühren aus. Die konkreten Vorschläge reichen von Sozialtarifen (Klima Freunde & Gut, Hans Mörtter) über Köln-Pass-Orientierung bis hin zur grundsätzlichen Frage, ob das Kostendeckungsprinzip auf Friedhöfen noch zeitgemäß ist (Die Partei).

Handlungsoptionen

Kurzfristig Einführung von Urnengemeinschaftsgräbern (UGG): Höhere Belegungsdichte ermöglicht effizientere gärtnerische Pflege. Die Kostenbelastung für den Erwerb von Nutzungsrecht, Grabmal und Grabpflege pro Stelle sinkt drastisch.

 

Mittelfristig Zuschuss aus allgemeinem Haushalt erhöhen („Grünanteil“): Pflege ungenutzter Reserveflächen aus dem Gebührenhaushalt herauslösen und dem Grünflächenetat zuordnen. Belastung für Nutzungsberechtigte senken, Attraktivität der Grabarten im Wettbewerb mit dem Kölner Umland und privaten Anbietern steigern.

 

Langfristig Weg vom Prinzip der Kostendeckung: Friedhöfe als Teil der Daseinsvorsorge betrachten, vergleichbar mit der Kulturförderung. Defizite werden durch den städtischen Haushalt ausgeglichen.

 

Konsensfeld 2: Sauberkeit, Ordnung und Komfort sicherstellen

Die Kölner Friedhöfe sind wichtige Trauerorte, dienen der Bevölkerung zur Naherholung und sind wichtige Orte für den Arten- und Naturschutz innerhalb der Großstadt Köln. Deshalb müssen sie sich in einem gepflegten Zustand befinden.

Die lange Schließung der Trauerhalle auf dem Melatenfriedhof erregt großen öffentlichen Unmut. Ihre Sanierung sollte zügig beginnen. Die Trauerhalle steht paradigmatisch für fehlende Sauberkeit und Ordnung auf den Friedhöfen insgesamt.

Friedhöfe werden wegen des Klimawandels als kühlende Rückzugsorte in der Stadt immer wichtiger. Daher sollte die Aufenthaltsqualität steigen. Dies ließe sich mit einfachen Maßnahmen erreichen. Bei der Gestaltung müssen die Bedürfnisse älterer Menschen im Vordergrund stehen: kurze Wege, Barrierefreiheit, ausreichend Ruhepunkte.

Politischer Konsens: Praktisch alle Parteien fordern konkret mehr Bänke, Toiletten und Trinkwasserbrunnen. Die Sanierung der Trauerhallen wird von KSG, FDP und Die Partei ausdrücklich angemahnt. Die FDP verweist auf das Modell des Generalunternehmers, das bei Schulen funktioniert. KSG fordert die Wiedereinführung des Hallenwärters.

Handlungsoptionen

Kurzfristig Trinkwasserbrunnen einrichten: Mögliche Aufstellorte prüfen, Kooperation mit der Kölner Grün Stiftung für die operative Umsetzung.

 

Kurzfristig Zusätzliche Sitzgelegenheiten aufstellen: Das Spendenbank-Modell der Grün Stiftung funktioniert bereits gut. Ergänzend sollten auch kleinere Zweisitzer bereitgestellt werden.

 

Kurzfristig Kurzstrecken-Mobilität vom Friedhofstor zur Grabstätte bereitstellen (ergänzend zum Kölner Friedhofsmobil): Kooperation mit „Radeln ohne Alter“ anstreben, Sponsoring für regelmäßige Bereitstellung an Wochenenden und Feiertagen.

 

Mittelfristig Zufahrtsregelung für private und gewerbliche Kfz über Schrankensysteme auf Großfriedhöfen einführen (automatische Kennzeichenerkennung nach genehmigter Beantragung).

 

Mittelfristig Bessere Pförtnerdienste: Die Besetzung muss zuverlässig sein, Öffnungszeiten und Auskünfte müssen für Besucherinnen und Besucher verlässlich sein.

 

Langfristig Zuständigkeit für Trauerhallen und Toiletten der Gebäudewirtschaft wieder entziehen und direkt der Friedhofsverwaltung übertragen – für direkte Vergabe von Aufträgen und direktes Controlling der Auftragnehmer.

 

Konsensfeld 3: Beitritt Kölns zur Charta Friedhofskultur

Die Friedhofskultur in Deutschland ist seit 2020 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Über die herausragende kulturelle Bedeutung der Kölner Friedhöfe besteht in der Stadtgesellschaft Konsens. Die Stadt sollte dieser Bedeutung auch öffentlich Ausdruck verleihen und der Charta Friedhofskultur beitreten.

Ein Antrag zum Beitritt wurde 2023 vom Rat abgelehnt. Wir halten dies für eine verpasste Chance und fordern den neuen Rat auf, diese Entscheidung zu revidieren.

Politischer Konsens: Die Partei hat den Beitritt 2023 beantragt. Die Grünen verweisen auf die Bürgerbeteiligung „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“. Hans Mörtter fordert kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprojekte auf Friedhöfen. Die Linke betont die lokale Identität der Ortsfriedhöfe. Der Grundkonsens, dass Friedhöfe kulturell bedeutsam sind, ist breit – die formale Anerkennung durch einen Charta-Beitritt wäre der logische nächste Schritt.

Handlungsoptionen

Kurzfristig Kurzfristiger Beitritt Kölns zur Charta Friedhofskultur. Der Beitritt ist kostenneutral und mit keinem bürokratischen Aufwand verbunden.

 

Konsensfeld 4: Friedhöfe in städtische Klima- und Biodiversitätsstrategien einbinden

Unbestritten ist, dass Kölns 55 Friedhöfe mit ihrem Reichtum an Bäumen und Pflanzen das Stadtklima verbessern. Sie sind daher – zu Recht – bereits im „Masterplan Stadtgrün“ der Stadt Köln berücksichtigt. Nun gilt es, sie explizit als klimarelevante Grünflächen auszuweisen und in den städtischen Klimaplan zu integrieren.

Die Friedhöfe sind zudem nachweislich Schutzräume für zum Teil seltene Tierarten – sie erfüllen eine wichtige Funktion für die Biodiversität. Sie müssen sich daher – genau wie Naturschutzgebiete – als Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen im Haushalt wiederfinden und fester Bestandteil der städtischen Biodiversitätsstrategie sein.

Politischer Konsens: Dies ist das Konsensfeld mit der breitesten Unterstützung. Jede Partei, die geantwortet hat, spricht sich für den Erhalt der Friedhöfe als Grünflächen aus und lehnt eine Umwidmung für Bauprojekte ab. FDP und Die Linke fordern zudem den Schutz von Erweiterungsflächen. Die Grünen verweisen darauf, dass Friedhöfe im Masterplan Stadtgrün bereits berücksichtigt sind.

Handlungsoptionen

Kurzfristig Positive Rolle der Friedhöfe im Masterplan Stadtgrün besser kommunizieren: Welche konkreten Auswirkungen hat die Berücksichtigung? Was bedeutet sie für die Praxis?

 

Kurzfristig Friedhöfe explizit als klimarelevante Grünflächen im städtischen Klimaplan ausweisen und die entsprechenden Instrumente und ihren Impact klären.

 

Kurzfristig Schutzkonzept entwickeln, das Friedhöfe als klimapolitisch relevante Grünflächen und ökologisch wichtige Aufenthalts- und Erholungsorte dauerhaft sichert.

 

Konsensfeld 5: Regelmäßige Beteiligung der Bevölkerung sicherstellen

Friedhöfe erfüllen wichtige kulturelle, soziale, biologische und klimabezogene Funktionen. Dennoch besteht eine Diskrepanz zwischen ihrer Bedeutung und ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Dies ließe sich durch regelmäßige Beteiligungsformate ändern.

Bei der Gestaltung und Weiterentwicklung sollten die Bevölkerung sowie die professionell auf dem Friedhof tätigen Berufsgruppen frühzeitig eingebunden sein. Neben den Friedhofsgärtnern zählen dazu insbesondere Bestattungsbetriebe, Steinmetze, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Trauerrednerinnen und -redner.

Politischer Konsens: FDP, Die Partei und Grüne verweisen auf positive Erfahrungen mit Beteiligungsformaten. KSG und Die Linke betonen ausdrücklich die Einbindung der Fachleute vor Ort. Klima Freunde & Gut schlagen ein festes Format „Zukunft Friedhöfe Köln“ vor.

Handlungsoptionen

Kurzfristig Umsetzung des Konzepts „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ analysieren: Was wurde umgesetzt, welche To-Dos sind noch offen?

 

Kurzfristig Kommunikation zu Friedhöfen als Kulturveranstaltungsräumen verbessern: Was ist erlaubt? Und wo? Klare Informationen für Veranstalter und Bürgerinnen und Bürger bereitstellen.

 

Kurzfristig Neuauflage der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Zukunft der Kölner Friedhöfe anstoßen.

 

Konsensfeld 6: Friedhofssatzung regelmäßig überprüfen, innovativ bleiben

In jüngerer Zeit ist eine „Abwanderung“ von Kölner Friedhöfen ins Umland zu beobachten. Dem gilt es, mit einem größeren, attraktiven Angebot entgegenzuwirken. Die Friedhofssatzung muss dafür den Rahmen bieten und regelmäßig überprüft und angepasst werden, um innovative Bestattungsangebote zu verwirklichen.

Politischer Konsens: Alle Parteien sprechen sich für Vielfalt bei den Bestattungsformen aus. Die FDP fordert eine Überprüfung, inwieweit Köln anderen Kulturen bei Bestattungen weiter entgegenkommt. Die Grünen verweisen auf die Satzungsreform 2022 als Modell. Die Partei und Die Linke betonen die Notwendigkeit innovativer Konzepte.

Handlungsoptionen

Kurzfristig Neue Grabangebote schaffen bzw. unterstützen – z. B. Urnengemeinschaftsgräber (UGG), zusätzliche Baumbestattungsplätze, multikulturelle Grabfelder

 

Mittelfristig Wettbewerbsfähigkeit des Grabangebots verbessern, insbesondere die Kalkulation überprüfen (vgl. Konsensfeld 1)

Was wir vorschlagen

  1. Gespräche mit den Fraktionen: Die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner bietet allen Ratsfraktionen ein Gespräch an, um die hier formulierten Konsensfelder und Handlungsoptionen zu erörtern. Grundlage sind die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine. Wir freuen uns ausdrücklich auch über Gespräche mit den Parteien, die sich vor der Wahl nicht geäußert haben.
  2. Workshop Arbeitskreis Friedhof: In einem für den Arbeitskreis Friedhof geplanten Workshop (1. Halbjahr 2026) möchten wir die hier formulierten Handlungsoptionen konkret diskutieren und priorisieren. Wir kommen mit ausgearbeiteten Umsetzungsvorschlägen – nicht mit offenen Fragen. Ziel ist es, am Ende des Workshops für jede Option eine Entscheidung zu treffen: umsetzen, anpassen oder verwerfen.
  3. Ratsbeschluss anstreben: Die Ergebnisse des Workshops münden in eine Beschlussvorlage für den zuständigen Ausschuss. Unser Ziel ist, dass die wichtigsten Maßnahmen noch im ersten Jahr der neuen Ratsperiode auf den Weg gebracht werden.